Mangelberufe in Deutschland

Was sind Mangelberufe?

Mangelberufe sind Berufe, in denen qualifizierte Arbeitskräfte nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Ein Fachkräfteengpass entsteht, wenn Unternehmen offene Stellen nur schwer oder über einen längeren Zeitraum mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzen können.

Ob ein Beruf in Deutschland als Engpassberuf gilt, untersucht die Bundesagentur für Arbeit einmal jährlich mit ihrer Fachkräfteengpassanalyse. Dabei werden verschiedene Arbeitsmarktindikatoren wie Vakanzzeit, Arbeitslosigkeit und das Verhältnis von Arbeitsuchenden zu offenen Stellen berücksichtigt.

Wie hilft die Engpassanalyse?

Die Engpassanalyse zeigt, in welchen Berufen Fachkräfte besonders knapp sind. Sie unterscheidet dabei nach den Anforderungsniveaus Fachkraft, Spezialist und Experte und bietet Unternehmen, Beschäftigten und der Politik eine wichtige Orientierung zur aktuellen Fachkräftesituation.

Für Unternehmen kann sie zeigen, in welchen Berufen Recruiting schwieriger wird und beispielsweise Weiterbildung, Ausbildung oder internationales Recruiting an Bedeutung gewinnen. Einen Überblick finden Sie bei unseren Mangelberufen für Facharbeiter sowie den Mangelberufen für Fachkräfte und Akademiker.


Wann spricht man von einer Mangelsituation?

Nicht jede unbesetzte Stelle bedeutet automatisch, dass ein Fachkräftemangel besteht. Ein wichtiges Anzeichen ist die sogenannte Vakanzzeit. Sie beschreibt die Zeit zwischen dem gewünschten Besetzungstermin und der Abmeldung einer gemeldeten Stelle bei der Bundesagentur für Arbeit.

Je länger Stellen unbesetzt bleiben, desto schwieriger kann die Suche nach geeigneten Fachkräften sein. In der Engpassanalyse 2025 gilt eine Median-Vakanzzeit von mindestens 80 Tagen als deutliches Anzeichen für einen möglichen Engpass.

Die Vakanzzeit allein reicht jedoch nicht aus. Die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt bei ihrer Engpassanalyse mehrere Indikatoren. Dazu gehören unter anderem die Zahl der Arbeitsuchenden je gemeldeter Stelle, die berufsspezifische Arbeitslosenquote, die Entwicklung der Entgelte und die Chancen, aus Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung aufzunehmen.

Erst das Zusammenspiel dieser Kennzahlen zeigt, ob in einem bestimmten Beruf tatsächlich ein Fachkräfteengpass besteht.

Das Anforderungsniveau wird in Deutschland in vier Stufen unterteilt:

  • Helfer: Tätigkeiten, die keine spezielle Ausbildung erfordern, oft einfache Anlerntätigkeiten.
  • Fachkraft: Tätigkeiten, die eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen.
  • Spezialist: Tätigkeiten, die eine vertiefte Ausbildung oder spezielle Kenntnisse erfordern.
  • Experte: Hochkomplexe Tätigkeiten, oft mit akademischer Ausbildung oder umfangreicher Berufserfahrung.

Diese Einteilung hilft sowohl Arbeitssuchenden als auch Arbeitgebern, die Anforderungen für bestimmte Positionen besser einzuschätzen.


Ursachen des Fachkräftemangels

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat nicht nur eine Ursache. Häufig wirken demografischer Wandel, regionale Unterschiede, fehlende Qualifikationen und der wirtschaftliche Strukturwandel zusammen.

  • Demografischer Wandel: Viele Beschäftigte der Babyboomer-Generation gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig rücken weniger junge Arbeitskräfte nach.
  • Regionale Unterschiede: Angebot und Nachfrage passen nicht überall zusammen. Besonders strukturschwächere Regionen können stärker von Fachkräfteengpässen betroffen sein.
  • Qualifikations- und Passungsprobleme: Arbeitskräfte sind vorhanden, verfügen aber nicht immer über die Qualifikationen, die Unternehmen für offene Stellen benötigen.
  • Digitalisierung und Transformation: Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Energiewende verändern bestehende Berufe und schaffen neue Anforderungen an Kenntnisse und Qualifikationen.

Der Fachkräftemangel ist deshalb kein einheitliches Problem, sondern unterscheidet sich deutlich nach Beruf, Qualifikation und Region.

Möchten Sie mehr über die Ursachen erfahren? Lesen Sie hier mehr über die Ursachen des Personal- und Fachkräftemangels.


Welche Berufe werden zukünftig gefragt sein?

Der Arbeitsmarkt wird sich auch über 2026 hinaus deutlich verändern. Demografischer Wandel, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung sowie die Energie- und Klimawende verändern bestehende Berufe und schaffen neue Tätigkeitsfelder.

Welche Berufe langfristig besonders gefragt sein werden, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Gute Perspektiven bestehen jedoch vor allem in Bereichen, in denen menschliche Betreuung, technisches Know-how und digitale Kompetenzen benötigt werden.

Beispiele für Zukunftsberufe und Zukunftsfelder:

  • Pflege, Gesundheit und soziale Berufe aufgrund des demografischen Wandels
  • Erneuerbare Energien und Energietechnik durch den Ausbau nachhaltiger Technologien
  • KI, Daten und Automatisierung durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen
  • E-Mobilität und moderne Fahrzeugtechnik durch den Wandel der Automobilbranche

Dabei entstehen nicht nur völlig neue Berufe. Häufig verändern sich bestehende Tätigkeiten und erfordern zusätzliche Qualifikationen. Wer bereit ist, sich weiterzubilden und neue Kompetenzen aufzubauen, kann deshalb auch langfristig von den Veränderungen am Arbeitsmarkt profitieren. Mehr über Berufe mit Zukunft erfahren.


Mangelberufe bei der Fachkräfteeinwanderung?

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsrecht ist die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte heute nicht mehr auf eine frühere „Positivliste“ beschränkt. Mangelberufe können bei bestimmten Regelungen dennoch eine besondere Bedeutung haben.

Bei der Blauen Karte EU gelten für bestimmte Mangelberufe besondere Voraussetzungen. So liegt die erforderliche Gehaltsschwelle 2026 bei mindestens 45.934,20 Euro brutto jährlich und damit niedriger als bei den übrigen Berufen. Die Mangelberufe der Blauen Karte EU sind dabei nicht mit den Engpassberufen der Bundesagentur für Arbeit gleichzusetzen.

Auch Fachkräfte mit Berufsausbildung können unter bestimmten Voraussetzungen eine Aufenthaltserlaubnis zur qualifizierten Beschäftigung erhalten. Dafür muss ihr Beruf nicht auf einer besonderen Mangelberufsliste stehen. Welcher Aufenthaltsweg wie zum Beispiel die Chancenkarte infrage kommt, hängt von Qualifikation, Arbeitsplatz und persönlichen Voraussetzungen ab.

Für Arbeitgeber eröffnet dies zusätzliche Möglichkeiten, offene Stellen auch international zu besetzen. Genau hier setzt JOBSinGERMANY.net an. Deutsche Unternehmen können Stellenanzeigen gezielt international veröffentlichen und Fachkräfte aus dem Ausland ansprechen.

Die Plattform richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber, die in Deutschland arbeiten möchten und sich bereits mit Themen wie Visum, Anerkennung und Arbeitsaufnahme beschäftigen.


Fachkräftemangel in Österreich und der Schweiz?

Nicht nur Deutschland ist vom Fachkräftemangel betroffen. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Berufe, die als Mangelberufe gelten. Ähnlich wie in Deutschland führen diese Länder jährliche Analysen durch, um festzustellen, in welchen Berufen Fachkräfte fehlen. Österreich führt eigene bundesweite und regionale Mangelberufe für die Rot-Weiß-Rot-Karte. Diese österreichischen Regelungen dürfen nicht mit der deutschen BA-Engpassanalyse gleichgesetzt werden. In der Schweiz richtet sich die Zulassung von Personen aus Drittstaaten nach anderen Voraussetzungen, darunter Qualifikation, Vorrang bestimmter Arbeitskräfte und Höchstzahlen. Sie können hier die aktuelle Liste der Mangelberufe in Österreich und der Schweiz einsehen. Eine gemeinsame Mangelberufsliste für alle drei Länder gibt es daher nicht.


Die Inhalte auf Mangelberufe.de basieren auf öffentlich zugänglichen Informationen und Daten unter anderem der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie auf langjähriger Praxiserfahrung in Recruiting, Personalvermittlung und Fachkräftegewinnung. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse Stand September 2026.

Autor
Christian Wisniewski verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in Recruiting, Personalvermittlung und Arbeitsmarktintegration. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fachkräftemangel, internationalem Recruiting und Fachkräfteeinwanderung und betreibt neben Mangelberufe.de unter anderem JOBS in GERMANY.net

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